Biologische Station Westen
Technisches Merkblatt:
Die Planung einer Obstwiese
Damit die neue Obstwiese sich gut entwickelt und die Erwartungen erfüllt, sind
vor der Pflanzung einige Dinge zu bedenken. Wichtig sind unter anderem die
richtige Auswahl der Pflanzen, die Beachtung der notwendigen Pflanzabstände und
eine fachgerechte Pflanzung. Das vorliegende Merkblatt setzt sich mit einigen
Punkten auseinander, die bei der Planung einer Obstwiese unbedingt beachtet
werden müssen.
Rechtliche Aspekte
Laut dem "Code Civil"
müssen Pflanzungen die eine Höhe von mehr als 2 Metern erreichen einen Mindestabstand von 2 Metern zum
Nachbargrundstück haben. Sollten Äste
über die Grenze hängen, darf der Nachbar verlangen, dass sie abgeschnitten
werden. Verzichtet er darauf, gehört ihm das Obst dieser Äste. Hinüberwachsende Wurzeln können vom
Nachbarn gekappt werden.
Verschiedene Gemeinden haben außerdem eigene Verordnungen, die über die
Bestimmungen des "Code Civil" hinausgehen. Vor einer Pflanzung in
Grenznähe sollten Sie sich deshalb bei
Ihrer Gemeinde informieren. Um Streit mit dem Nachbarn und spätere Schäden
am Baum zu vermeiden, sollten Sie aber ohnehin am besten einen höheren
Mindestabstand einhalten und sich lieber an
der späteren Krone des Baumes orientieren (siehe Pflanzanordnung) als an
rechtlichen Bestimmungen.
Der Standort
Damit die neue Obstwiese gedeiht, sollte vor jeder Pflanzung eine Standortsondierung stehen, um
festzustellen für welche Obstbäume der Standort überhaupt geeignet ist. Von
Bedeutung sind Relief, Exposition, Spätfrostgefährdung und Bodenverhältnisse.
Generell eignen sich Standorte mit
langanhaltender Staunässe nicht für
Obstbäume. Bei kurzzeitiger Staunässe können einige Sorten gedeihen. Leichte
Böden mit einer Neigung zu Austrocknung
sind ebenfalls problematisch. Auch hier kommen nur einzelne Sorten in Frage.
Ebenfalls vorsichtig sein sollte man bei sehr exponierten Standorten oder Spätfrostlagen.
Hier dürfen keine frostgefährdeten Sorten gepflanzt werden. Schließlich kann
man einige Sorten nur an ausgesprochen warme
Lagen pflanzen.
Standorte, auf denen schon früher Obstbäume standen, können problematisch
sein. An solchen Stellen kann Bodenmüdigkeit
auftreten, so dass die nachgepflanzten Obstbäume kümmern. Daher sollte man an
alten Obstbaumstandorten nicht mit der gleichen Obstart nachpflanzen,
da Nachbauschwierigkeiten weitgehend aus-bleiben, wenn nach Kernobst, Steinobst
und umgekehrt angepflanzt wird. Wenn unbedingt eine artgleiche Nachpflanzung
gewünscht ist, sollte man mindestens 2 m Abstand
vom alten Standort halten. Am wirksamsten ist der Austausch des Bodens auf einer Fläche von etwa 2 x 2 m und ca. 60
cm Tiefe.
Die Pflanzanordnung
Klassischerweise werden Obstbäume in Reihen gepflanzt. Je nach verfügbarer
Fläche und geplanter Pflege werden größere Obstwiesen in Vierecks- oder Dreieckspflanzung angelegt. Bei der
Dreieckspflanzung ist eine bessere
Raumnutzung möglich, weil auf der gleichen Fläche etwa 10% mehr Bäume
stehen. Sie hat allerdings den Nachteil, dass sie unter Umständen weniger gut maschinell zu pflegen ist, da sie
-beispielsweise zum Mähen- nur in eine Richtung befahren werden kann. Soll die
Obstwiese später maschinell gepflegt werden, sind Reihenabstände von 15 bis 18
m zu empfehlen.
Bei kleinen Obstwiesen, die ohnehin manuell gepflegt werden, kann man sich
aus landschaftsästhetischen Gründen auch für eine unregelmäßige Pflanzung mit variablen Abständen
entscheiden. Dies schafft eine kleinräumige Vielfalt (Feuchtigkeit, Besonnung,
Beschattung), die nicht nur attraktiv wirken, sondern auch verschiedene Nischen
für Pflanzen und Tiere schaffen kann.
Ganz gleich für welche Pflanzanordnung man sich entscheidet, die minimalen
Pflanzabstände müssen immer berücksichtigt werden. Sie hängen von der Obstart
ab und sind bei Apfel und Birne 12 m,
bei Kirschen und Walnüssen 15 m und
bei Zwetschgen, Pflaumen und Mirabellen
8 m. Bei der Pflanzung der Jungbäume erscheinen diese Pflanzabstände meist
übertrieben. Sie sollten aber unbedingt eingehalten werden, damit die Bäume
sich richtig entwickeln können und nicht krank werden. In zu dicht gepflanzten
Beständen herrscht eine höhere Feuchtigkeit, was zu einem stärkeren Befall mit
Pilzkrankheiten führt (Schorf, Krebs, Fruchtfäule, usw.).
Unter Berücksichtigung der Bodenansprüche sollten die verschiedenen Obstarten am besten durcheinander gepflanzt werden. Weil nicht jede Obstart die selben
Ansprüche z.B. an Nährstoffe im Boden hat oder die Wurzeln unterschiedlich tief
in den Boden reichen, kann bei durchmischten Beständen eine bessere Ausnutzung des Bodens
stattfinden. Das dadurch entstehende unregelmäßige Kronendach lässt Licht, Luft
und Wärme besser eindringen. Weil die Wirts- und Futterpflanzen nicht alle
zusammenstehen, kann außerdem der Krankheits- und Insektenbefall auf natürliche
Art und Weise vermindert werden.
Die Auswahl der Pflanzen
Bei der Auswahl der Pflanzen spielen
natürlich der individuelle Bedarf
und persönliche Wünsche eine herausragende Rolle. Dennoch empfiehlt es sich,
Obst anzupflanzen, das an den
vorhandenen Standort angepasst ist, sonst wird man nur wenig Freude an der
neuen Obstwiese haben. Bevor man sich für die eine oder andere Obstart oder
–Sorte entscheidet, sollte man sich deshalb mit den Ansprüchen der
verschiedenen Obstarten vertraut machen und die Sorten auswählen, die am
vorhandenen Standort am besten gedeihen.
Zu den Ansprüchen der verschiedenen Obstarten und –sorten enthält unser technisches Merkblatt "Pflanzenauswahl
bei Obstgehölzen" genauere Informationen. Hier werden auch Hinweise
für die richtige Sortenwahl auf problematischen Standorten gegeben.
Da die luxemburger Baumschulen meist nur ein begrenztes Sortiment an
Obstbäumen verfügbar haben, empfiehlt es sich, möglichst früh im Herbst zu
bestellen, um die gewünschten Sorten und Unterlagen zu bekommen. Beim Kauf der
Pflanzen sollte man auf folgende Qualitätskriterien achten:
·
Sortenechtheit: Der Kauf von Obstbäumen basiert auf einem
Vertrauensverhältnis zwischen Käufer und Baumschule. Es kann passieren, dass
Baumschulen andere Sorten als die bestellten ausliefern. Dies fällt in der
Regel erst nach 5- 8 Jahren auf, wenn der Baum die ersten Früchte trägt. Dann
ist es meist zu spät. Deshalb ist es sinnvoll sich eine 10-Jahresgarantie über die Sortenechtheit des gelieferten Materials
geben zu lassen.
·
Nicht alle Unterlagen (d.h. die Wurzeln auf die
die Bäume veredelt wurden) eignen sich für extensiv genutzte
Hochstamm-Obstbäume. Kontrollieren Sie ob die von der Baumschule angebotenen
Unterlagen für den Streuobstbau geeignet sind. In unserem technischen Merkblatt "Pflanzenauswahl
bei Obstgehölzen" finden Sie geeignete Unterlagen.
·
Als
Hochstämme müssen die Bäume eine Stammhöhe
von mindestens 1,8 m haben.
·
Der Baum
sollte 3-5 kräftige Seitentriebe und
einen Mitteltrieb (Stammverlängerung) haben und in einem Meter Höhe mindestens
6-7 cm Stammumfang haben.
·
Wichtig ist
eine umfangreiche, kräftige und gesunde Wurzel
(viele kleine Haarwurzeln). Die Wurzeln dürfen keine Wucherungen aufweisen.
·
Die Bäume
sollten in der Baumschule unter nicht zu
stark gedüngten Verhältnissen aufgezogen werden, weil sie sonst beim
Umpflanzen in nährstoffärmere Böden nicht gut weiterwachsen. Ebenso sollten die
Bäume nicht in klimatischen
Gunstgebieten (Weinbaugebiete) herangezogen werden, weil sie sonst beim
Umpflanzen in rauere Klimate (regenreicher oder kühler) Probleme bekommen
können (u.a. höhere Krankheitsanfälligkeit).
·
Die Bäume
müssen direkt nach dem Entnehmen aus dem Boden für den Transport in feuchte Tücher oder Plastiksäcke
eingeschlagen werden. Bäume mit spröden, eingetrockneten Haarwurzeln müssen
abgelehnt werden! Bei Frost müssen besondere Vorkehrungen (z.B. Einschlagen in
Boden) getroffen werden, damit kein Frost an die Wurzel dringt.
·
Alle Bäume
sollten mit einem langhaltenden Schildchen
(mit Sortenname und eventuell Unterlage) versehen sein. Es ist
empfehlenswert die Schildchen nach der Pflanzung zunächst am Baum zu belassen,
damit man die Sorte auch nach der Pflanzung noch erkennt.
Hat man einwandfreie Pflanzen in der Baumschule erstanden, so ist die richtige Behandlung zuhause ebenso
wichtig für das Gedeihen der Bäume. Am besten hat man schon vorher alles für
die Pflanzung vorbereitet und pflanzt
die Bäume sofort ein. Wenn sie nicht innerhalb von 24 Stunden gepflanzt
werden können, müssen die Pflanzen in einen Bodenschlag gelegt werden, d.h. es wird eine Grube ausgehoben, in
die der Baum mit der Wurzel gelegt wird. Die Wurzel muss ganz mit Erde bedeckt werden und darf weder austrocknen noch frieren.
Der Pflanztermin
Pflanzzeit für Obstgehölze ist im Herbst (Oktober/November)
und im Frühjahr (Februar-Mitte April). Voraussetzungen sind eine frostfreie Wetterlage und nicht gefrorener
Boden. Die günstigste Zeit ist im Herbst,
wenn das Erdreich noch relativ warm ist und die frisch gepflanzten Bäume den
Boden noch durchwurzeln können. Bäume, die im Frühjahr gepflanzt werden, haben schlechtere Startbedingungen. Sie
müssen, vor allem bei trockener Wetterlage im Sommer, mindestens im ersten
Standjahr bewässert werden. Auf schweren, winterstaunassen Böden darf nur im
Frühjahr gepflanzt werden, da sonst die Baumwurzeln im ersten Winter schnell
faulen.
Die Pflanzung
Eine fachgerechte Pflanzung ist wichtig, um dem Baum einen guten Start zu
geben und sein erfolgreiches Anwachsen zu sichern. Bei der Pflanzung sind
folgende Punkte zu beachten:
·
Ausheben
eines ausreichend großen Pflanzloches,
Boden-lockerung, gegebenenfalls Bodenverbesserung
·
Einarbeiten
eines Wühlmausschutzes
·
Anbringen
eines Stützpfahles
·
Aufstellen
eines Viehschutzes in Weideflächen
·
Pflanzschnitt
Genauere Hinweise für eine fachgerechte
Pflanzung finden sie in unserem technischen
Merkblatt Obstbaumpflanzung.
Besondere Schutzmaßnahmen bei der Pflanzung
Der Verbiss durch Wühlmäuse, Weidevieh oder Wild kann fatale Folgen für die
Jungpflanzung haben. Deshalb ist es wichtig bereits bei der Pflanzung die
erforderlichen Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Unser technisches Merkblatt Obstbaumpflanzung
gibt genauere Hinweise zu Wühlmausschutz, Viehschutz, Verbissschutz gegen Wild.
Größere Vögel können ebenfalls ein Problem darstellen, da sie
gerne in den Triebspitzen junger Bäume sitzen, wenn keine anderen Sitzwarten vorhanden
sind. Dadurch können die Spitzen abbrechen, so dass die Kronenentwicklung
gestört wird. Abhilfe schaffen in solchen Fällen speziell angebrachte Sitzstangen aus einem Pfahl mit einer
Querstange, die gern angenommen werden. Ansonsten sollte man sich über die
Präsenz der Greifvögel freuen, da sie Mäuse vertilgen und damit auch die Bäume
schützen.
Die Pflege nach der Pflanzung
Bei einer fachgerecht durchgeführten Pflanzung sollte der Unterhalt nicht
allzu hoch sein. Problematisch ist vor allem Sommertrockenheit im ersten
Standjahr. Deshalb sollte der Baum im
ersten Sommer bei Bedarf gegossen werden, besonders bei Frühjahrspflanzung.
Wichtig ist auch das Offenhalten der
Baumscheibe in den ersten Jahren, damit der Baum sich ohne Konkurrenz zu
anderen Pflanzen gut entwickeln kann. Wenn ein Schutzzaun vorhanden ist, gehört natürlich auch dessen Unterhalt zu
den notwendigen Maßnahmen, denn durch Viehverbiss kann auch ein mehrere Jahre
alter Baum absterben oder schwer geschädigt werden.
Wichtig ist auch das Durchführen eines regelmäßigen Erziehungsschnittes in den ersten Jahren bis der Baum eine gute
Krone aufgebaut hat. Hierzu finden Sie weitere Angaben in unserem technischen Merkblatt
"Obstbaumschnitt".
Finanzielle Unterstützung
Für die Anpflanzung von Hochstamm-Obstbäumen außerhalb des Bauperimeters bietet das Umweltministerium eine finanzielle Unterstützung von 750.- pro Baum
und 200.- pro Umzäunung. Weitere Informationen hierzu können Sie unter
folgender Adresse beziehen:
Verschiedene Gemeinden bieten Ihren Bürgern auch finanzielle
Beihilfen für die Pflanzung innerhalb des Bauperimeters an. Hierzu müssen Sie
Informationen bei Ihrer Gemeinde anfragen, da es keine einheitliche Regelung
gibt.
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Technisches Merkblatt erstellt von der Biologischen Station Westen 2, rue de Nospelt L-8394 Olm Tel: 263037-25 Stand Herbst 2001 |